Zwischen Einkaufszentrum und Wohnhäusern, nicht weit von Stadion und Mur entfernt, findest du einen Ort, der auf den ersten Blick vielleicht unscheinbar wirkt – und auf den zweiten umso mehr berührt: die Pfarrkirche St. Paul in Graz-Liebenau. Hier geht es nicht um große Glockentürme oder goldene Altäre. Hier geht es um das Wesentliche. Um Licht, Stille, Gemeinschaft – und darum, wie moderner Kirchenbau einen ganzen Stadtteil prägen kann.
Die Kirche St. Paul ist das spirituelle Herz von Liebenau. Sie wurde in den 1980er-Jahren gebaut, wirkt aber auch heute noch zeitgemäß – durch ihre klare Formensprache, ihre Offenheit und die Art, wie sie sich in die Umgebung einfügt. Gerade wenn du dich für Architektur, Stadtentwicklung oder stille Orte mit viel Atmosphäre interessierst, solltest du St. Paul auf deine Liste setzen.
Abseits vom Trubel ist das hier ein Platz zum Innehalten. Und ein Stück Graz, das viele Tourist:innen übersehen – zu Unrecht.
Die Anfänge der Pfarre Liebenau reichen zurück ins Jahr 1948. Nach dem Zweiten Weltkrieg errichtete man eine Notkirche aus einer ehemaligen Flughafen-Baracke – eine einfache Lösung, aber für viele Jahre das geistliche Zentrum des Bezirks. 1949 wurde Liebenau zur eigenständigen Pfarre.
Mit dem rasanten Wachstum des Stadtteils entstand in den 1980er-Jahren schließlich die heutige Kirche – entworfen vom Architekten Reinhard Schöpf. Der moderne, klar strukturierte Bau wurde zwischen 1984 und 1987 errichtet und steht seither am St.-Paulus-Platz. Besonders auffällig ist das große Rundfenster über dem Eingang – ein Symbol für Offenheit und Licht.
Im Inneren erwartet dich kein überladener Prunk, sondern eine ruhige, einladende Atmosphäre. Die farbigen Glasfenster stammen vom steirischen Künstler Alois Mosbacher und zeigen moderne Darstellungen von Maria und Paulus.
St. Paul ist nicht nur ein Ort des Glaubens, sondern auch ein Treffpunkt für den Stadtteil. Hier finden regelmäßig Konzerte, Lesungen, Ausstellungen und soziale Projekte statt. Die Kirche öffnet sich bewusst der Nachbarschaft und lebt das Prinzip der offenen Türen – geistlich, sozial und kulturell.
Für alle, die sich für sakrale Architektur der Gegenwart interessieren, ist diese Kirche ein echtes Fundstück. Sie zeigt, dass Spiritualität auch ohne Pomp und Historie kraftvoll wirken kann.
Ein besonders stiller Ort ist die alte Barackenkapelle – die ehemalige Notkirche, die bis heute als Werktagskapelle genutzt wird. Hier befindet sich ein geschnitztes Holzkreuz, das 1946 von deutschen Kriegsgefangenen geschaffen wurde. Ein eindrucksvolles Relikt, das an die bewegte Geschichte des Standorts erinnert.
Adresse:
St.-Paulus-Platz 1, 8041 Graz
Anreise:
Straßenbahnlinie 4 oder 13 bis „Liebenau / Murpark“. Von dort etwa 10 Minuten zu Fuß entlang der Liebenauer Hauptstraße und vorbei an Schloss Liebenau.
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