Du bist in Graz unterwegs und hast Lust, Architektur abseits der Altstadt zu entdecken? Dann solltest du unbedingt einen Abstecher nach St. Peter machen. Dort, zwischen Wohnsiedlungen und Schulzentren, erhebt sich ein Bauwerk, das auf den ersten Blick wirkt wie ein gelandetes Ufo – rund, futuristisch, außergewöhnlich. Gemeint ist das ORF-Landesstudio Steiermark, von vielen liebevoll „Peichl-Torte“ genannt.
Diese Bezeichnung hat sich nicht ohne Grund durchgesetzt: Der ikonische Rundbau erinnert mit seinen segmentierten Formen und der zentralen Kuppel an ein Stück Torte – ungewöhnlich für ein Medienhaus, aber genau deshalb so einprägsam. Hier werden täglich Nachrichten produziert, Radioprogramme gestaltet und Fernsehsendungen moderiert – und das in einem Gebäude, das selbst eine Botschaft sendet: Fortschritt, Gestaltungskraft und Mut zur Form.
Für alle, die moderne Architektur lieben oder einfach mal etwas komplett anderes sehen möchten, ist die „Peichl-Torte“ ein echtes Highlight. Sie zeigt, dass Graz nicht nur Altstadt und Jugendstil kann, sondern auch visionäre Bauten der 1980er – und das in einem Stadtteil, den viele Touristen sonst links liegen lassen.
Das ORF-Landesstudio Steiermark wurde zwischen 1978 und 1981 nach den Plänen von Gustav Peichl errichtet – einem der bekanntesten österreichischen Architekten, der auch als Karikaturist unter dem Namen „Ironimus“ berühmt wurde. Peichl entwarf insgesamt neun Landesstudios für den ORF, jedes mit einem individuellen Touch, aber alle nach dem gleichen Prinzip: kreisförmig, funktional, modular – und dennoch auffällig.
Am 12. September 1981 wurde das Grazer Studio eröffnet. Die Struktur des Gebäudes folgt einer klaren Idee: Ein zentraler, runder Hauptraum wird von einzelnen Segmenten umgeben, in denen sich Redaktion, Studio, Technik und Verwaltung befinden. Diese Aufteilung symbolisiert Offenheit und Kommunikation – Werte, die auch zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk passen.
Der Bau wirkt bis heute modern: Sichtbeton, klare Linien und das Fehlen klassischer Fassadenelemente machen ihn zu einem Vorbild funktionalistischer Architektur. Wer genauer hinsieht, entdeckt aber auch viele gestalterische Details, die dem Komplex eine fast verspielte Note verleihen – etwa die rhythmische Gliederung der Fenster oder die spannungsvollen Innenhöfe.
Die „Peichl-Torte“ ist kein klassisches Sightseeing-Ziel – und gerade das macht sie so spannend. Sie steht für eine Epoche des architektonischen Aufbruchs und gehört zu den wichtigsten Bauwerken der steirischen Nachkriegsmoderne. Zudem ist sie ein lebendiger Ort: Hier wird täglich gearbeitet, gesendet, diskutiert – und du kannst dabei sogar einen Blick hinter die Kulissen werfen.
In Zeiten von Social Media und globaler Vernetzung bekommt die Idee eines öffentlich zugänglichen Medienhauses noch einmal eine neue Bedeutung. Die ORF-Studios öffnen sich regelmäßig für Besucher:innen – bei Führungen, Veranstaltungen oder Ausstellungen. Du bekommst also nicht nur ein starkes Stück Architektur zu sehen, sondern auch Medienkultur zum Anfassen.
Besonders spannend sind die Führungen durch das Studio, bei denen du das Fernsehstudio von „Steiermark heute“, die Radiotechnik von Radio Steiermark und den Sendebetrieb hautnah erleben kannst. Auch die Funkhausgalerie mit wechselnden Ausstellungen regionaler Künstler:innen ist einen Besuch wert. Und wenn du rund um das Gebäude spazierst, achte auf die Licht- und Schattenspiele an der Fassade – besonders in den frühen Abendstunden wirkt der Bau fast skulptural.
Adresse:
Marburger Straße 20, 8042 Graz
Anreise:
Mit der Straßenbahnlinie 6 bis „St. Peter Schulzentrum“, dann ca. 10 Minuten zu Fuß. Alternativ mit den Buslinien 64 oder 64E bis zur gleichnamigen Haltestelle.
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