Der Grazer Bezirk Ries liegt im Osten der Stadt – eingebettet zwischen dem Leechwald, der Landesnervenklinik und der Stadtgrenze. Heute ist Ries vor allem als ruhiger Wohnbezirk mit viel Natur bekannt. Doch hinter dem grünen Erscheinungsbild verbirgt sich eine bewegte Geschichte: Vom landwirtschaftlich geprägten Gebiet über die Errichtung wichtiger Infrastrukturbauten bis hin zum modernen Stadtrand hat sich Ries stetig gewandelt. In diesem Beitrag blicken wir zurück auf die historischen Entwicklungen – und zeigen, warum ein Besuch in Ries nicht nur landschaftlich reizvoll, sondern auch historisch spannend ist.
Im Osten von Graz, dort wo die Stadt langsam in bewaldete Hügel übergeht, liegt der Bezirk Ries – ein Gebiet mit langer Geschichte und ganz eigenem Charakter. Ries war über Jahrhunderte hinweg landwirtschaftlich geprägt, blieb lange unverbaut und entwickelte sich erst spät zu einem besiedelten Stadtrand. Heute verbindet der Bezirk Natur, Geschichte und medizinische Infrastruktur auf einzigartige Weise – ein spannender Ort für alle, die das ruhige, grüne Graz abseits des Zentrums erkunden möchten.
Die Geschichte von Ries reicht bis ins Mittelalter zurück. Erste schriftliche Erwähnungen stammen aus dem 14. Jahrhundert. Damals war das Gebiet von verstreuten Einödhöfen, Kleinsiedlungen und Waldwirtschaft geprägt. Die Menschen lebten hier abgeschieden, oft in einfachsten Verhältnissen, betrieben Ackerbau, hielten Vieh und nutzten den nahen Leechwald zur Brennholzgewinnung.
Der Name „Ries“ wird oft auf das mittelhochdeutsche Wort Rîs zurückgeführt – ein Hinweis auf „Buschwerk“ oder „Gestrüpp“ – und verweist auf die ursprüngliche Landschaftsform: wild, bewaldet, naturnah.
Ein bedeutender Einschnitt in die Geschichte des Bezirks erfolgte im späten 19. Jahrhundert mit dem Bau der Landesnervenklinik Sigmund Freud (ehemals Landesirrenanstalt Graz-Ries). Die weitläufige Anlage wurde auf einem Hochplateau errichtet und setzte neue Maßstäbe in der Psychiatrie. Die Klinik wurde zum regionalen Zentrum für seelische Gesundheit und prägte fortan die Identität des Bezirks – sowohl wirtschaftlich als auch architektonisch.
Rund um das Klinikareal entstanden Dienstwohnungen, Versorgungsbauten und erste Wohnsiedlungen – der einst so abgeschiedene Ort erhielt erstmals einen urbanen Bezug.
Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde Ries schrittweise in das Stadtgebiet von Graz integriert. Durch den Ausbau der Straßen und die bessere Anbindung ans Zentrum (z. B. über die Riesstraße) entstanden neue Wohnhäuser, Kleingartenanlagen und Einfamilienhäuser. Dennoch blieb Ries immer ein ruhiger, naturnaher Bezirk, fernab dichter Bebauung.
Einige Bereiche sind bis heute locker besiedelt – mit viel Abstand zwischen den Häusern, umgeben von Wald, Wiesen und Weinbergen. Der ländliche Charakter blieb erhalten, auch wenn Graz näher rückte.
Für Besucher:innen ist der Bezirk Ries besonders reizvoll: Spaziergänge durch den Leechwald, historische Klinikbauten, stille Kapellen und eine beeindruckende Hanglage mit Blick auf den Schlossberg machen Ries zu einem idealen Ort für alle, die Geschichte und Natur verbinden möchten.
Wer Graz abseits des Trubels erleben will, findet hier einen Stadtteil voller Kontraste: Zwischen psychiatrischer Pionierarbeit, bäuerlicher Vergangenheit und moderner Wohnkultur zeigt Ries, wie facettenreich ein Stadtrand sein kann.
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